Es bläst ein frischer Wind – Artikel über Heutrocknung

Im Bauernjournal Grünland Ausgabe 29/2009 wurde folgender Artikel veröffentlicht.

Ein Landwirt aus Salzburg lässt nach eigenen Plänen Luftentfeuchtungsanlagen bauen und bringt damit frischen Schwung in die Branche.

Europaweit ist die Frage ,,Heu oder Silage” längst entschieden. Letztere hat sich vor allem auch wegen der hohen Schlagkraft der Ernteverfahren durchgesetzt. Das Nischendasein der Heuwirtschaft und der Heumilch könnte sich aber mittelfristig als Vorteil erweisen. Nicht nur Milchverarbeiter sehen gute Marktchancen. Um die noch bestehenden Heumilchbetriebe zu erhalten, muss aber die Erntetechnik deutliche Schritte nach vorne machen, Heu aus der Bodentrocknung weist nicht nur eine geringere Futterqualität auf, sondern setzt zwei bis drei Sonnentage voraus. Mit Luftentfeuchtungsanlagen kann Heu auch einsonnig eingebracht werden. Bis vor wenigen Jahren waren solche Anlagen aber relativ teuer. Nun ist Bewegung in den Markt gekommen. Dafür gesorgt hat unter anderem der Landwirt Josef Reindl aus Straßwalchen. Seit den 70er Jahren sammelt der Salzburger Erfahrungen in der Belüftungstechnik und hat als Nebentätigkeit solche Anlagen verkauft. Nun hat er den Schritt in die Herstellung gewagt und vor wenigen Monaten eine neue Kondensationstrocknung auf den Markt gebracht. ,,Ich wollte eine effiziente Anlage bauen, die sich jeder leisten kann. Viele am Markt erhältliche Anlagen sind eigentlich veraltet und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik”, so Reindl über seine Beweggründe.

In seinem Gerät setzt Reindl in erster Linie Industriekomponenten ein. Ob Wärmetauscher, Kompressoren oder Regeltechnik – alles ist tausendfach in Klimaanlagen oder Kühlaggregaten im Einsatz. Das hat den Vorteil, dass diese Teile in der Praxis erprobt sind und – weil Massenware – auch günstig eingekauft werden können. Reindl setzt vor allem auf eine deutlich vergrößerte Registerfläche. Dadurch verringert sich die Luftgeschwindigkeit an den Wärmetauschern, der Wirkungsgrad kann gesteigert werden. Bis zu einer Lüfterleistung von 18,5 kW ist daher auch kein Bypass notwendig, das heißt, es wird die gesamte Trocknungsluft entfeuchtet. Trotz der großen Registerfläche hat die Maschine nur einen Stromanschlusswert von 10,7 kW. Durch den Einsatz von zwei Kompressoren statt einem einzigen kann bei Bedarf die Leistung auch um 50 % verringert werden. Damit kann die Anlage  auch bei höheren Außentemperaturen betrieben werden, ohne dass sie sich ständig ausschaltet.

In Kombination mit einem druckstabilen 18,5-kW-Lüfter und einer Boxenfläche von ca. 200 m2 sollten so Einfuhrleistungen von bis zu 20 Hektar möglich sein. Damit bleiben auch für große Betriebe in Sachen Schlagkraft keine Wünsche offen. Da eine Heutrocknung mit Entfeuchter deutlich schneller arbeitet, liegen auch die Stromkosten meist unter jenen einer Kaltbelüftung. Dem Heu wird innerhalb weniger Tage die Feuchtigkeit entzogen und es lassen sich erstklassige Qualitäten erzeugen. Mit der neuen Anlage beschreitet Reindl nicht nur neue Wege in der Technik, sondern bringt bewusst auch Bewegung in die Verkaufspreise. Reindl, der selbst Bezirksbauernkammerrat ist, hat versucht, die Kosten in der Produktion möglichst gering zu halten: “Die Erzeugerpreise bei Milch haben deutlich nachgegeben, die Preise für Maschinen und Betriebsmittel sind großteils hoch geblieben”.

Der Landwirt sieht sich durchaus als Preisbrecher in der Branche. Bei der Peiskalkulation kommt ihm aber auch die allgemeine Wirtschaftslage zugute. Die Anlage besteht zu großen Teilen aus Kupfer und Aluminium, der Grundpreis dieser Metalle ist in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Auch die Fertigung ist momentan günstiger als in Zeiten der Hochkonjunktur. Inklusive 18,5 kW Hochleistungslüfter mit Frequenzumformer (zum Regeln der Drehzahl) schlägt sich die Anlage mit weniger als 30.000 Euro zu Buche – Planung, Inbetriebnahme und Einschulung inklusive, Schlagkraft sind Wetterunabhängigkeit werden damit für viele Heubetriebe leistbar. Was die Anlage für das Geld tatsächlich bringt, soll nun in einem Versuch der BAL Gumpenstein festgestellt werden.

Schon jetzt zeigt sich aber, dass in der Branche ein frischer Wind bläst, und dies wohl nicht zum Nachteil der Bauern.

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